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Fracking und Asthma

Für eine US-Studie wurden die Daten von mehr als 35.000 Asthma-Patienten ausgewertet. Ergebnis: „Bei denen, die näher an einer großen Zahl von Erdgasbohrlöchern oder größeren Förderanlagen lebten, war die Wahrscheinlichkeit von Asthma-Anfällen um 1,5 bis viermal höher“:

http://derstandard.at/2000041358249/Fracking-kann-Asthma-Risiko-um-das-Vierfache-erhoehen

Die Originalarbeit:
Rasmussen, Sara G.; Schwartz, Brian S.; et al.: „Association Between Unconventional Natural Gas Development in the Marcellus Shale and Ashma Exacerbations“, JAMA Internal Medicine, Juli 2016
http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2534153

 

Nachfolgend eine fundierte Einschätzung dazu, was die neuen gesetzlichen Regelungen für unsere Nachbarn im niedersächsischen Tight-Gas bedeuten.
BI No Fracking für Völkersen – aktuell – 15.07.2016:
http://www.nofracking.de/newsletter65-16.php

Was ist jetzt wie geregelt und was bedeutet das für uns? Diese Fragen versucht die IG Fracking-freies Artland e.V. mit nachfolgender Pressemitteilung zu beantworten:

PM  der IG Fracking-freies Artland e.V. vom 27.06.2016
Fracking- Beschluss des Bundestages:
Im Schiefergas zunächst nur als Forschungsvorhaben – im Sandstein (Tight-Gas) weiterhin erlaubt

Der Bundestag hat am 24.06.2016 mit den Stimmen der CDU-SPD-Koalition Gesetzesänderungen für ein Fracking-Regelungspaket beschlossen. Diese Meldung ging im EM-Fieber und in der Brexit-Aufregung fast unter. Was gilt nun?

Zunächst zum Schiefergas (das Artland liegt im Schiefergasgürtel): Bis 2021 wird es im Schiefer kein gewerbliches Fracking geben, sondern bis zu vier Forschungsprojekte, für die jeweils die Genehmigung des betroffenen Bundeslandes erforderlich ist. Für diese Forschungsvorhaben hält das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördergelder bereit. 2021 soll dann über die gewerbliche Zulassung entschieden werden. Die Niedersächsische Landesregierung schließt laut Pressemitteilungen ein Forschungsprojekt in Niedersachsen aus. Diese Erklärungen sind unverbindlich. Meinungs- und Regierungsänderungen sind möglich. Die Entwicklung muss im Auge behalten werden.

Zum Fracking im Sandstein (Tight-Gas, das bislang vor allem in nordöstlich von uns gelegenen Teilen Niedersachsens gefördert wird): Es bleibt erlaubt, allerdings mit Einschränkungen und dem Erfordernis von Umweltverträglichkeitsprüfungen, wodurch eine gewisse Öffentlichkeitsbeteiligung erreicht wird. Die Gesetzesänderungen bedienen die Interessen der gasfördernden Industrie, obwohl es in den Erdgasfördergebieten bereits zu erheblichen Schadensfällen kam. Vielerorts wurden – meist durch ungeeignete Leitungen – umfangreiche Kontaminationen des Bodens und teilweise auch des Grundwassers durch Benzol nachgewiesen. Benzol gilt zweifelsfrei als krebserregend. Und nun sind an bestimmten Orten im Gasfördergebiet gerade solche Krebsarten, die durch Benzol ausgelöst werden, in signifikant erhöhtem Maße bei der männlichen Bevölkerung aufgetreten. Die Untersuchungen laufen. Außerdem beobachtet man in besorgniserregender Weise eine Zunahme der Erdbeben in den Gasfördergebieten. Diese Entwicklungen sind auch bereits in den Frac-Gebieten der USA und anderer Länder auffällig geworden.

Maria Entrup-Henemann von der IG Fracking-freies-Artland e.V. bilanziert: Statt Gesetze zu erlassen, die dazu dienen, mittels Fracking – noch dazu unterstützt von Forschungsgeldern – weitere fossile Brennstoffe aus dem Boden zu holen und den Klimawandel weiter anzuheizen müssen schleunigst die Energiewende vorangebracht, die Energie-Effizienz gesteigert und Maßnahmen ergriffen werden, um die in Paris beschlossenen Klimaziele zu erreichen.

Hier das Abstimmungsverhalten:
http://www.abgeordnetenwatch.de/fracking_neuregelung-1105-797—abstimmungsverhalten.html

Und hier die gemeinsame Pressemitteilung von BUND, Umweltinstitut München, Food & Water Europe u.a.:
2016-06-24_pm-fracking-bundestagsbeschluss (1)

Auszug:

“ …. Angesichts des großen öffentlichen Drucks für ein Fracking-Verbot haben die Abgeordneten von Union und SPD den ursprünglichen Referentenentwurf verschärft und ein faktisches Verbot für Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein beschlossen. Allerdings sollen mit Zustimmung der jeweiligen Bundesländer vier Fracking-Probevorhaben in diesen Gesteinsformationen möglich sein. Zudem soll das Verbot schon 2021 erneut durch den Deutschen Bundestag überprüft werden.

Fracking in dichtem Sandstein, sogenanntes Tight-Gas-Fracking, wird hingegen explizit erlaubt und wäre selbst in „Natura 2000“-Gebieten möglich. Wesentliche Reformen des Bundesberggesetzes bleiben aus, so dass die Rohstoffgewinnung weiterhin Vorzug vor anderen öffentlichen Interessen hat. Durch die Einführung einer UVP-Pflicht für Fracking-Vorhaben werden immerhin Beteiligungsrechte für betroffene Bürger*innen und Gemeinden geschaffen. Die absehbare Beendigung des seit fünf Jahren bestehenden Fracking-Moratoriums wird zu erheblichem lokalen Widerstand führen, der durch diese Beteiligungsrechte im Genehmigungsverfahren neues Gewicht bekommt.

Mit der Schaffung des Kunstbegriffs „konventionelles Fracking“ suggeriert die Große Koalition sogar, dass Fracking in Sandstein weniger gefährlich sei, da es schon seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland praktiziert wird. Erdbeben, Boden- und Grundwasserverunreinigungen sowie eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen in deutschen Erdgasfördergebieten deuten allerdings auf das Gegenteil hin. Diese Gefahren gehen vom Einsatz der Fracking-Technik an sich aus und nicht von der Lagerstätte oder dem Gesteinshorizont, in denen sie eingesetzt wird. …“

 

In letzter Zeit sind etliche besorgniserregende Studien und Berichte aus den US-Fracking-Gebieten bekannt geworden, die den Mitgliedern des niedersächsischen Landtages, die Fracking wieder aufnehmen möchten, offenbar nicht bekannt sind. Daher hat die AG Gesundheit im Netzwerk Gegen Gasbohren einen offenen Brief an die Landtagsabgeordneten geschrieben:

20160620Off. Brief an MdL s NDS 20.06.16 VF

Seit der letzten Erdbebenmeldung in einem niedersächsischen Erdgasfeld sind gerade fünf Wochen verstrichen. Jetzt wieder ein Beben: 28.05.2016, 23.13 Uhr, Stärke 2,3, nahe Bothel, ca. 7 km südöstlich von Rotenburg/Wümme:

„Ein Zusammenhang zwischen den seismischen Ereignissen und der Erdgasförderung wird vom NED daher als wahrscheinlich eingestuft“:
http://www.lbeg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=564&article_id=144102&_psmand=4

Diesmal mit der  Magnitude 3,2 am Freitag, 22.04.2013 in unmittelbarer Nähe der Bohrungen Völkersen Nord Z1/Z5x.
http://www.lbeg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=564&article_id=143103&_psmand=4

Eine Übersicht über die Erdbeben der letzten Zeit gibt nachfolgende Tabelle des Niedersächsischen Erdbebendienstes, der beim Landesamt für Berbbau, Energie und Geologie (LBEG) angesiedelt ist:
NiedersächsischerErdebendienst(LBEG)
Nachfolgend ist das auch grafisch dargestellt. Die Grafik stammt aus dem Artikel:
http://bohrplatz.org/heftige-erdstoesse-im-erdgasfeld-rotenburg-voelkersen/graph_quakes_lower_saxony_since_20120701