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Bekanntlich hat die IG Fracking-freies Artland e.V. am 08./09. Okt. 2016 das Bundestreffen der unter „gegen Gasbohren“ vernetzten Bürgerinitiativen ausgerichtet, an dem 27 Initiativen aus 8 Bundesländern teilnahmen.

„Aktionsbündnis kampfbereit“
titelte das Bersenbrücker Kreisblatt in seinem Bericht:
http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-artland/artikel/787951/bundestreffen-gegen-gasbohren-in-quakenbrueckdsc_0731

Die Tagung wurde für die Bearbeitung vieler Themenfelder genutzt: Ob es um den neuen Rechtsrahmen ging und was er in den verschiedenen Lagerstätten bedeutet, um giftige und teils radioaktive Bohrschlämme, um Gesundheitsschäden oder um internationale Entwicklungen – es standen sachkundige Referenten zur Verfügung und es wurde lebhaft diskutiert. Am Ende waren sich alle einig:

Der Kampf gegen die unbeherrschbare Risikotechnik wird weitergehen und um jedes Bohrloch erfolgen. Sh. hierzu die Pressemitteilung:
20161010pmbundestreffen

Vom Bundestreffen wurde als offener Brief ein Appell an den Niedersächsischen Ministerpräsidenten, den Wirtschaftsminister und den Umweltminister gesandt, der hier aufgerufen werden kann:
20161009briefannds

Ein gesonderter Appell ging an die Mitglieder der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, um sie daran zu erinnern, dass der Landesverband, dem auch sie angehören, sich hinter die Korbacher Resolution gestellt hat, die ein ausnahmsloses Verbot von Fracking fordert.

Insgesamt war das Bundestreffen für alle Teilnehmer bereichernd sowohl bezüglich fachlicher Informationen und Diskussionen als auch im Hinblick auf persönliche Begegnungen.

Am Samstagabend, 08.10.2016 kam ein kurzer Bericht in der  NDR-Fernsehsendung „Hallo Niedersachsen“ (ab 09.49):
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Hallo-Niedersachsen,sendung561906.html

http://www.energiezukunft.eu/klimawandel/nasa-deckt-250-gefaehrliche-methanquellen-auf-gn104242/

„NASA deckt 250 gefährliche Methanquellen auf

Das Klimagas Methan ist 25 Mal wirksamer als CO2.

Dennoch werden die Emissionen gerade bei der Förderung fossiler Energieträger kaum begrenzt. Der Fracking-Boom in den USA hat das Problem massiv verschärft, die NASA startet Aufklärungsflüge.  …..

Insgesamt 250 Methanquellen wurden durch diese Weise aufgedeckt. Einige setzten pro Stunde nur wenige Kilogramm des schädlichen Treibhausgases frei, andere dagegen bis zu fünf Tonnen. „Die Studie zeigt außerdem, dass nur 10 Prozent der Methanquellen für die Hälfte der Emissionen verantwortlich sind“, so die NASA.

Die hohe Konzentration der Methangasemissionen in der Region kommt alles andere als überraschend, denn die Four Corners Region ist das größte Produktionsgebiet von Flözgas in den USA. Hier werden jährlich mehr als 20 Megatonnen Methan gefördert, das bei der Kohleförderung im Kohletagebau anfällt. Neben der Kohleförderung werden in dem Vierländereck große Mengen Erdgas und Fracking-Gas gewonnen. Die Gasförderung ist laut Studie auch für „ein Gros der Emissionen“ verantwortlich. Bei der Spurensuche nach Methanquellen stießen die Wissenschaftler auf undichte Bohrköpfe, unerwartet große Emissionen aus Speichertanks und Leckagen in Verarbeitungsanlagen. …“  klimawandel_gas_oelfelder_new_mexico_colorado_Searls_3ba1422603                                                                          Erdgas-, Erdöl- und Fracking-Gas-Förderanlagen in der Four Corners Region zwischen den US-Bundesstaaten Utah, Colorado, New Mexico und Arizona. (Foto: Doc Searls, CC BY-SA 2.0, https://www.flickr.com/photos/docsearls/2780883584/)

Fracking und Asthma

Für eine US-Studie wurden die Daten von mehr als 35.000 Asthma-Patienten ausgewertet. Ergebnis: „Bei denen, die näher an einer großen Zahl von Erdgasbohrlöchern oder größeren Förderanlagen lebten, war die Wahrscheinlichkeit von Asthma-Anfällen um 1,5 bis viermal höher“:

http://derstandard.at/2000041358249/Fracking-kann-Asthma-Risiko-um-das-Vierfache-erhoehen

Die Originalarbeit:
Rasmussen, Sara G.; Schwartz, Brian S.; et al.: „Association Between Unconventional Natural Gas Development in the Marcellus Shale and Ashma Exacerbations“, JAMA Internal Medicine, Juli 2016
http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2534153

 

Nachfolgend eine fundierte Einschätzung dazu, was die neuen gesetzlichen Regelungen für unsere Nachbarn im niedersächsischen Tight-Gas bedeuten.
BI No Fracking für Völkersen – aktuell – 15.07.2016:
http://www.nofracking.de/newsletter65-16.php

Was ist jetzt wie geregelt und was bedeutet das für uns? Diese Fragen versucht die IG Fracking-freies Artland e.V. mit nachfolgender Pressemitteilung zu beantworten:

PM  der IG Fracking-freies Artland e.V. vom 27.06.2016
Fracking- Beschluss des Bundestages:
Im Schiefergas zunächst nur als Forschungsvorhaben – im Sandstein (Tight-Gas) weiterhin erlaubt

Der Bundestag hat am 24.06.2016 mit den Stimmen der CDU-SPD-Koalition Gesetzesänderungen für ein Fracking-Regelungspaket beschlossen. Diese Meldung ging im EM-Fieber und in der Brexit-Aufregung fast unter. Was gilt nun?

Zunächst zum Schiefergas (das Artland liegt im Schiefergasgürtel): Bis 2021 wird es im Schiefer kein gewerbliches Fracking geben, sondern bis zu vier Forschungsprojekte, für die jeweils die Genehmigung des betroffenen Bundeslandes erforderlich ist. Für diese Forschungsvorhaben hält das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördergelder bereit. 2021 soll dann über die gewerbliche Zulassung entschieden werden. Die Niedersächsische Landesregierung schließt laut Pressemitteilungen ein Forschungsprojekt in Niedersachsen aus. Diese Erklärungen sind unverbindlich. Meinungs- und Regierungsänderungen sind möglich. Die Entwicklung muss im Auge behalten werden.

Zum Fracking im Sandstein (Tight-Gas, das bislang vor allem in nordöstlich von uns gelegenen Teilen Niedersachsens gefördert wird): Es bleibt erlaubt, allerdings mit Einschränkungen und dem Erfordernis von Umweltverträglichkeitsprüfungen, wodurch eine gewisse Öffentlichkeitsbeteiligung erreicht wird. Die Gesetzesänderungen bedienen die Interessen der gasfördernden Industrie, obwohl es in den Erdgasfördergebieten bereits zu erheblichen Schadensfällen kam. Vielerorts wurden – meist durch ungeeignete Leitungen – umfangreiche Kontaminationen des Bodens und teilweise auch des Grundwassers durch Benzol nachgewiesen. Benzol gilt zweifelsfrei als krebserregend. Und nun sind an bestimmten Orten im Gasfördergebiet gerade solche Krebsarten, die durch Benzol ausgelöst werden, in signifikant erhöhtem Maße bei der männlichen Bevölkerung aufgetreten. Die Untersuchungen laufen. Außerdem beobachtet man in besorgniserregender Weise eine Zunahme der Erdbeben in den Gasfördergebieten. Diese Entwicklungen sind auch bereits in den Frac-Gebieten der USA und anderer Länder auffällig geworden.

Maria Entrup-Henemann von der IG Fracking-freies-Artland e.V. bilanziert: Statt Gesetze zu erlassen, die dazu dienen, mittels Fracking – noch dazu unterstützt von Forschungsgeldern – weitere fossile Brennstoffe aus dem Boden zu holen und den Klimawandel weiter anzuheizen müssen schleunigst die Energiewende vorangebracht, die Energie-Effizienz gesteigert und Maßnahmen ergriffen werden, um die in Paris beschlossenen Klimaziele zu erreichen.

Hier das Abstimmungsverhalten:
http://www.abgeordnetenwatch.de/fracking_neuregelung-1105-797—abstimmungsverhalten.html

Und hier die gemeinsame Pressemitteilung von BUND, Umweltinstitut München, Food & Water Europe u.a.:
2016-06-24_pm-fracking-bundestagsbeschluss (1)

Auszug:

“ …. Angesichts des großen öffentlichen Drucks für ein Fracking-Verbot haben die Abgeordneten von Union und SPD den ursprünglichen Referentenentwurf verschärft und ein faktisches Verbot für Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein beschlossen. Allerdings sollen mit Zustimmung der jeweiligen Bundesländer vier Fracking-Probevorhaben in diesen Gesteinsformationen möglich sein. Zudem soll das Verbot schon 2021 erneut durch den Deutschen Bundestag überprüft werden.

Fracking in dichtem Sandstein, sogenanntes Tight-Gas-Fracking, wird hingegen explizit erlaubt und wäre selbst in „Natura 2000“-Gebieten möglich. Wesentliche Reformen des Bundesberggesetzes bleiben aus, so dass die Rohstoffgewinnung weiterhin Vorzug vor anderen öffentlichen Interessen hat. Durch die Einführung einer UVP-Pflicht für Fracking-Vorhaben werden immerhin Beteiligungsrechte für betroffene Bürger*innen und Gemeinden geschaffen. Die absehbare Beendigung des seit fünf Jahren bestehenden Fracking-Moratoriums wird zu erheblichem lokalen Widerstand führen, der durch diese Beteiligungsrechte im Genehmigungsverfahren neues Gewicht bekommt.

Mit der Schaffung des Kunstbegriffs „konventionelles Fracking“ suggeriert die Große Koalition sogar, dass Fracking in Sandstein weniger gefährlich sei, da es schon seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland praktiziert wird. Erdbeben, Boden- und Grundwasserverunreinigungen sowie eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen in deutschen Erdgasfördergebieten deuten allerdings auf das Gegenteil hin. Diese Gefahren gehen vom Einsatz der Fracking-Technik an sich aus und nicht von der Lagerstätte oder dem Gesteinshorizont, in denen sie eingesetzt wird. …“

 

In letzter Zeit sind etliche besorgniserregende Studien und Berichte aus den US-Fracking-Gebieten bekannt geworden, die den Mitgliedern des niedersächsischen Landtages, die Fracking wieder aufnehmen möchten, offenbar nicht bekannt sind. Daher hat die AG Gesundheit im Netzwerk Gegen Gasbohren einen offenen Brief an die Landtagsabgeordneten geschrieben:

20160620Off. Brief an MdL s NDS 20.06.16 VF